Zum Sinn von Wallfahrt - Wallfahrt Heute - Pfarrei und Wallfahrtsort Maria Oberdorf

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Wallfahrt
 


Zum Sinn von Wallfahrt - Wallfahrt Heute

Wer einen nüchternen Blick auf das menschliche Leben wirft, wird bald feststellen, dass der Mensch während seines ganzen Lebens immer unterwegs ist. Dies hat damit zu tun, dass der Mensch, der sich nicht mit der unmittelbaren materiellen Sättigung begnügt und sein Glück im "Je Mehr" sucht, ein ewig Suchender sein wird, geht es doch um die Suche nach endgültigem Glück und Sinn.


So hat das 'unterwegs sein' für Juden, Christen und Muslime seit den Zeiten Abrahams einen tiefen religiösen Sinn. Gott beruft Abraham dazu, aufzubrechen aus seinem angestammten Land hin auf ein ihm noch unbekanntes Ziel. Abraham wird damit zum Sinnbild des aufbrechenden Menschen, des Menschen der Vertrautes, Verkrustetes, Altes, Morsches, Verstaubtes und Schmerzliches aber auch Schönes, Vertrautes, Lieb Gewonnenes und Bequemes zurück lässt um in ein Land aufzubrechen, das Gott ihm zeigen wird.



Ich freute mich, als man mir sagte:
«Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.»
Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:
Jerusalem, du starke Stadt, dicht gebaut und fest gefügt.
Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn,
wie es Israel geboten ist, den Namen des Herrn zu preisen.
Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht,
die Throne des Hauses David.
Erbittet für Jerusalem Frieden! Wer dich liebt, sei in dir geborgen.
Friede wohne in deinen Mauern, in deinen Häusern Geborgenheit.
Wegen meiner Brüder und Freunde will ich sagen: In dir sei Friede.
Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, will ich dir Glück erflehen.

Psalm 122


Abraham verlässt seine Heimat, weil ihn Gott "in das Land, das ich Dir zeigen werde" (Gen 12,1 ff) ruft und er tut dies ohne zu wissen wohin die Reise genau geht. Er tut es aber im Glauben und Vertrauen auf seinen Gott, so ist Abraham zum Vater der Glaubenden und zugleich auch zum Vater aller Pilgernden geworden.  Abraham ist auch das Sinnbild Israels, als das Volk unterwegs war in der Wüste und das gelobte Land vor Augen trug.

 
 
 
 
 


Schon im alten Christentum besuchten die Gläubigen die Orte, an denen Jesus gelebt und gewirkt hatte: Jerusalem und Betlehem. Bereits im 2. Jahrhundert beschreibt der Kirchenvater Irenäus das Grab des Apostels Petrus im Rom, das als Gedenkstätte feierlich geschmückt war. So wurden die Gräber der Apostel Petrus und Paulus zu weiteren Zielen christlicher Wallfahrt. In derselben altchristlichen Zeit wächst auch die Verehrung der Märtyrer und Heiligen. Über ihre Grabstätten erheben sich immer häufiger Kirchen und Basiliken manchmal auch Klöster und Gedenkstätten, die bald zu viel besuchten Wallfahrtsorten wurden.


"Wie Abraham weiss sich auch die Kirche unterwegs. Sie ist das pilgernde Volk Gottes auf dem Weg zur himmlischen Heimat und schliesslich darf sich jeder Mensch in Abraham erkennen, denn alle sind wir unterwegs im Glauben.
Wer sein Herz nicht ausschliesslich an Irdisches hängt, weiss, wie vergänglich alles ist. Er fühlt sich als Fremdling, der weiss, dass sein wahrer Schatz anderswo verborgen ist als in den kurzlebigen Freuden und flüchtigen Genüssen dieser Welt.
Auf der irdischen Pilgerschaft zum endgültigen Ziel braucht der Mensch Haltestellen oder Orte, die ihm neu zeigen und begreiflich machen, wohin eigentlich seine Lebens-Wallfahrt führt."


(aus: L. Ziegerer, Mariasteiner Pilgerbuch Kanisius, 1996, S. 20)



Diese Wallfahrt entspricht verschiedenen legitimen und biblisch sehr begründeten Bedürfnissen:

  • Dem bereits beschriebenen Bedürfnis nach Zurücklassen von Altem und Verkrustetem und der Sehnsucht nach Weiterkommen und Vertiefung. Die begründete Erwartung, dass Gott einen auf diesem Weg führen und erleuchten wird ist dabei Triebfeder.


  • Das Besuchen von Heiligtümern, die den Menschen aus seiner alltäglichen Welt herausziehen, entspricht dem ebenso legitimen Bedürfnis nach einer Begegnung mit dem lebendigen Gott. Wenn dabei eine Stätte besucht wird, an der genau diese Erfahrung immer wieder gemacht wurde und wird, so wird, oder so ist das Vorhaben zu Pilgern um so Erfolg versprechender. Vergessen wir nicht: Schon im alten Testament aber auch zu Zeiten Jesu pilgern die Juden nach Jerusalem, weil der dortige Tempel mit seinem Allerheiligsten als Garant der verborgenen Gegenwart Gottes angesehen wird.


  • In Jesus selbst ist der unsichtbare Gott fassbar geworden und in vielen Heiligen und Märtyrern strahlt das Beispiel von Jesu Leben auf. Sie werden also gleichsam zu Garanten der fassbaren (soweit dies menschlich möglich ist) Gegenwart Gottes. Daher wird es verständlich, dass viele Menschen das Bedürfnis haben im vorbildlichen Leben dieser Heiligen Quelle und Ansporn für ein eigenes christliches Leben zu finden.


  • Wallfahrtsorte sind bekannt für ihre Wunder. Denken Sie etwa an die unerklärlichen Heilungswunder in Lourdes oder auch an unzählige weniger spektakuläre Heilungen, heilmachende Erfahrungen, heilende Berührungen, sinnstiftende Begegnungen mit dem Geheimnis der Gegenwart des verborgenen Gottes, dann wird Ihnen bewusst, welch wichtige religiöse Funktion Wallfahrtsorte haben. Es geht dabei überhaupt nicht um die Sensationslüsternheit gegenüber Wundern, sondern um das heilende und heilmachende Element des Aufbrechens, des Pilgerns und Wallfahrens überhaupt.


  • Viele Menschen erleben vor ihrem Aufbruch bzw. Ihrer Wallfahrt seelische, menschliche oder körperliche Not und fassen so den Entschluss unter die Pilger zu gehen. Wie viele berührende Beispiele, auch heutiger Menschen, bezeugen die wandelnde Kraft einer solchen Reise, deren Ziel jenes gelobte Land ist, das wir selber noch nicht genau kennen. Hier geschieht Wandlung: Genau weil wir nicht selber wissen, wohin dieser Weg uns führt, sondern weil wir darauf vertrauen, dass Gott selber uns an jenen Ort führen wird, an dem unser ewiges Suchen nach Glück gestillt wird. 


  • Manche Menschen begeben sich auf eine Wallfahrt, weil sie damit ein Gelübde erfüllen: In einer grossen Notsituation haben sie Gott ein Gelübde gemacht, das sie bei der Erhörung ihrer flehentlichen Bitte einlösen werden. Kann man mit Gott gleichsam einen Kuhhandel schliessen? Ist das nicht unbiblisch? In Psalm 66,1 ff betet aber der Psalmist mit folgenden Worten:

"Ich komme mit Opfern in Dein Haus, ich erfülle Dir meine Gelübde, die ich Dir einst versprach, die Dir mein Mund in der Not gelobte."


     Dies kann nicht bloss als alttestamentliches Gebaren abgetan werden. Vielmehr ist die Dankbarkeit
     Gott gegenüber eine der wichtigen und legitimen Formen der Gottesverehrung überhaupt, die den
     Menschen in die unmittelbare und heilende Nähe Gottes führt.


  • Wallfahrt kann auch eine Form der Schuldbewältigung sein: Gerade heute in einer Zeit in der Schuld, Fehler, Sünde, Schlechtigkeit, Betrug, Falschheit und Bosheit aus dem Bewusstsein verdrängt werden, ist dieser Aspekt höchst aktuell. Wer eine Wallfahrt macht, nimmt sich selber mit all seiner Stärken und Schwächen auf den Weg und stellt sich daher ganz persönlich und bewusst seiner Vergangenheit und uneingestandener Schuld, die im Alltag oft verdrängt und weg erklärt werden. Ist es nicht befreiend, sich auf den Weg zu machen an einen Ort an dem Güte und Heiligkeit das Unheil und die Bosheit unserer Schuld heilen können? Wie viele Pilger und Pilgerinnen die zu Fuss unterwegs zu einem Wallfahrtsort sind, haben doch schon diese Erfahrung gemacht: Mit jedem Schritt verändert sich die Gemütslage und der Seelenzustand. Manche die sich schwer beladen auf den Weg machten, traten erlöst und federleicht ihren Heimweg an.


 
 
 
 


Um die Erfahrung solcher erneuernder, heilender und beglückender Wirkung von Wallfahrt geht es. Es geht dabei wesentlich um Ihre innere Einstellung. Grundvoraussetzung ist die Offenheit für das gütige Wirken Gottes, der Glaube an seine Gegenwart und das Vertrauen darauf, dass er es zu meinem Besten fügen wird. Für katholische Gläubige zeigt sich dieses gnadenhafte Walten Gottes auch in der Gemeinschaft der Heiligen und besonders im Wirken Gottes an Maria.


So dürfen Pilger mit Maria beten:

"Meine Seele preist die Grösse des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter, denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut!"

(Lk 1,47-48).


 
 
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