Spiritualität - Pfarrei und Wallfahrtsort Maria Oberdorf

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Leben und Glauben
 


Spiritualität

 
 
 
 
 
 
 
 
 


Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäu
ßerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der grösser ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt "Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters.   

(Phil 2,5-11)


 
 
 


Wollen sie mehr über das obenstehende Kreuz aus unserer Kirche wissen? Das alte Oberdörferkreuz wurde am 8. November 2009 in einem feierlichen Gottesdienst, der aber kein musealer Akt war, sondern mit Leben erfüllt und von jungen Menschen begleitet wieder eingesegnet. Weitere historische Informationen finden Sie unter diesem Link.
Festzelbrant war Domherr Elsener, die Predigt (welche Ihnen hier zur Verfügung steht)  hielt P. Hieronymus Krapf OSB von Einsiedeln.


 




Zur Spiritualität des Kreuzes

Es ist wohl kein Zufall, dass die Kreuzesdarstellungen in den ersten drei Jahrhunderten der christlichen Zeit fast völlig fehlen. War doch das Kreuz das Zeichen des verachtungswürdigsten Todes mit dem ein Verbrecher bestraft werden konnte. Das Kreuz galt als derart schlimm, dass ein römischer Bürger nicht mit dieser Todesart bestraft werden durfte, nur Sklaven oder nicht Römer konnten so hingerichtet werden. So sagt denn auch Paulus, dass das Kreuz beziehungsweise der Tod Jesu am Kreuz den Heiden und Juden Dummheit und Ärgernis bedeute; für uns Christen aber meint er, ist es das Zeichen des Heils und der Erlösung geworden. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, dass das Kreuz Symbol der christlichen Religion geworden ist, weil in diesem Grundparadox von Leben und Tod - Schuld und Versöhnung - das Grundanliegen der christlichen Erlösung deutlich wird.
Dieses heute manchmal schwer verständliche Grundparadox der Überwindung von Leid, Schuld und Tod in Erlösung, Versöhnung und ewiges Leben durch den Tod Jesu am Kreuz selber gehört zur Urbotschaft der frühen Christenheit und damit zum Erbe jeden christlichen Bekenntnisses.
Wäre Jesu Geschichte mit seinem Tod am Kreuz zu Ende, wären diese Überlegungen falsch und überflüssig. Nun aber bezeugen die Apostel und die christliche Urgemeinde, dass Jesus drei Tage nach seiner grausamen Hinrichtung von den Toten auferstanden ist. Was sich hinter dieser Aussage verbirgt, ist derartig revolutionär und weltverändernd, dass beispielsweise der evangelische Theologe Oscar Cullmann im Christusereignis die Mitte der Zeit sieht: Mitte insofern, als das in der Erlösung und Befreiung des Menschen aus Tod und Endlichkeit das ganz Zentrale in die Menschheitsgeschichte von Gott her eingebrochen ist. Gott zerstört das Los der ewigen Vernichtung für den Menschen dadurch, dass er Jesus Christus in diese Realität hineinschickt und sie Kraft der Wirkung des Gottesgeistes von innen her aushöhlt und zunichte macht.

 

Trotzdem erleben wir Menschen hier auf Erden Leid und Tod, doch täuschen wir uns nicht: So wie zur materiellen Wirklichkeit Vergehen und Endlichkeit gehören, ebenso gehören zur geistigen und geistlichen Wirklichkeit Ewigkeit und Unvergänglichkeit. Diese Unvergänglichkeit wird erst dort in unserem irdischen Leben fassbar, wo Glaube, Hoffnung und Liebe diese geistliche Botschaft lebendig werden lassen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir Menschen von der Erfahrung des Leides und des leiblichen Todes verschont bleiben. Es bedeutet aber, dass dieser Tod nicht das letzte Wort hat: Denn dort wo der Geist Gottes wirken kann, bricht das von Jesus versprochene Reich Gottes an. In vielen Bildern der Natur wird diese paradoxale Wirklichkeit fassbar, so etwa wenn das abgeerntete Weizenkorn in die Erde fällt und scheinbar vermodert, oder wenn aus einem scheinbar abgestorbenen Baumstrunk im Frühjahr plötzlich frische, grüne Ästchen empor schiessen, oder etwa wenn sich eine Raupe in scheinbarer Totenstarre verpuppt um später als bunter Schmetterling davon zu fliegen. Natürlich sind dies Bilder aus der Natur, doch vergessen wir nicht, dass wir Menschen selber neben aller Kultur ein Stück Natur sind.

 

So wie es bei diesen Naturphänomenen ein Programm zur Wiederauferstehung gibt, so gibt es ein solches auch für die Ebene der geistig geistlichen und damit ewigen Wirklichkeit. Dass dies keine Theorie ist gründet im festen christlichen Vertrauen darauf, dass Jesu Beispiel für alle Menschen diesen Weg ein für alle Mal erschlossen hat. Deswegen spricht das Neue Testament auch vom einzigen und einmaligen Opfer, das Christus in sich selbst vollendet hat. Deswegen braucht das Christentum auch nach 2000 Jahren nicht einen neuen Heilsbringer oder Garant, weil von Gott her ein volles Ja zur Menschheit bereits gesagt wurde. In psychologischen Fachkreisen gilt folgendes Axion: Erlöst (Überwunden) wird nur, was auch angenommen wird. Dieser Grundsatz ist auch ein Theologischer: Überwunden wird der Tod nur, wenn er als Realität von dem angenommen wird, also sich zu Eigen gemacht wird, der ihn auch überwinden möchte, also Gott, bzw. erlöst wird der Mensch nur dann, wenn sich der Erlöser diese Wirklichkeit zu Eigen gemacht hat. Dies ist in Jesus Christus geschehen wie er den Tod am Kreuz auf sich genommen hat.
Das Vertrauen in diese Wirklichkeit kann den Menschen entkrampfen und entängstigen, es nimmt ihm also die Angst vor dem Tod als ewiges Fallen ins Nichts und gibt ihm die Gewissheit in der Auferstehung fortzubestehen und in die liebenden Arme Gottes geschlossen zu werden. Kreuz ist deswegen nach christlichem Verständnis nichts in erster Linie brutales und schreckliches sondern Zeichen des Durchgangs in die neue verwandelte Wirklichkeit ohne Tod und Leid.

 
 
 
 
 
 

Michel Quoist beschreibt diese Wirklichkeit in seinem Gebetbuch "Herr, da bin ich" (Styria 1986):

 
 
 


Als ob es die Toten gäbe!
Herr, es gibt keine Toten,
Es gibt nur Lebende,
Auf unserer Erde und im Jenseits.
Herr, den Tod gibt es,
Aber er ist nur ein Moment,
Ein Augenblick, eine Sekunde, ein Schritt.
Der Schritt vom Vorläufigen ins Endgültige,
Der Schritt vom Zeitlichen ins Ewige.



 
 
 
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