Maria - Pfarrei und Wallfahrtsort Maria Oberdorf

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Leben und Glauben
 


Maria

 
 


Gegrüsst seist Du Maria,
voll der Gnade, der Herr ist mit Dir;
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen



 

Warum Maria?

Warum steht Maria bei katholischen aber auch bei orthodoxen Christen so hoch in Ehren? Es mag nicht katholische Christen überraschen: Aber der Urgrund ist schlicht biblisch. Der Evangelist Lukas beginnt sein Evangelium mit der Geschichte Johannes des Täufers und der Verkündigung des Engels an Maria. Er offenbart ihr, sie werde vom Heiligen Geist erfüllt und so einen Sohn gebären, der deswegen "heilig" und "Sohn Gottes genannt werde". Der Engel nennt Maria selber  "Begnadete", "der Herr ist mit dir" und "du hast Gnade bei Gott gefunden". (Lk 1, 28-37). Dies alles könne so geschehen, weil für Gott nichts unmöglich sei, meint der Engel.

In Ihrem sicher vom Geist Gottes inspirierten Loblied (Magnificat), das sie einige Tage später bei ihrer Cousine Elisabeth vorbringt, sagt Maria über ihre Erfahrung des gütigen Wirkens der Gnade Gottes folgendes:  

 
 


"Meine Seele preist die Grösse des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter,
denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter,
denn der Mächtige hat Grosses an mir getan."
   

(Lk 1, 46b-49a)


 


Die katholische Kirche lebt effektiv nur der Erfahrung der Maria nach: Sie hat erfahren, wie der allmächtige, unendliche, heilige und unaussprechliche Gott einen kleinen sterblichen Menschen ergreift und verwandelt.  Sie hat erlebt, wie der mächtige Gott sie zärtlich berührt und etwas ganz Grosses an ihr getan hat, wovon alle Generationen, die Menschen aller Zeiten, reden werden, auch wenn sie dieses Grosse zuerst vielleicht (noch) nicht verstehen: dass aus ihrem Schoss der Retter der Welt, der heilige Sohn Gottes hervorgegangen ist. Maria sagt deswegen: "Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter". Dies nachzuvollziehen ist auch für eine(n) reformierte(n) Christen (-in) möglich. Indem die katholische Kirche, zusammen mit der orthodoxen den Namen der Gottesmutter Maria verehrt, folgt sie eigentlich nur dieser biblischen Botschaft.

Immer wieder kann man dem Verweis auf merkwürdige Auswüchse der marianischen Spiritualität in der katholischen Kirche begegnen. Neben allen berechtigten Anfragen dient dieser aber oft dazu, sich vor einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Rolle Marias in der Geschichte der Offenbarung zu drücken. Dies wollen wir nicht tun.

Indem Maria Mutter der Gläubigen ist, ist sie auch zugleich deren Vorbild bei der Teilhabe am Geheimnis des göttlichen Wirkens. Maria wird so zum Vorbild der gläubigen Ur-Erfahrung jedes(r) Christen(-in), sagt sie doch auf die Botschaft des Engels: "Mir geschehe, wie du gesagt hast". Mit anderen Worten meint Maria: Auch wenn ich jetzt noch nicht alles verstehen kann, so möchte ich doch vertrauensvoll "Ja" sagen zu dem, was Gott von mir verlangt.

So wird verständlich, dass die Kirche Maria als ihre Mutter ehrt, als ihr eigenes Urbild, als Vorbild des gläubigen Empfangens, des Offenseins für den göttlichen Willen. Es ist deswegen verletzend, wenn manche wenig erleuchtete Mitchristen Maria "Vorzimmerdame" nennen oder "überflüssige Vermittlerin", da man sich ja schliesslich direkt an Gott wenden könne. Es ist wahr, auch Katholiken(-innen) wenden sich direkt an Gott: Aber sie haben das mütterliche Element und das Vorbild der Maria nicht vergessen. Vielleicht war in vergangenen Jahren die Marienfrömmigkeit unserer Kirche etwas unterkühlt und ebenso die Auseinandersetzung mit ihrer heilsgeschichtlichen  Rolle zu kurz gekommen.  Es ist durchaus einsehbar, dass das in letzter Zeit immer wieder monierte Malaise eines übermächtigen Vaterbildes (nicht nur) in der katholischen Kirche auch in diesem Mangel zu suchen ist.

Maria steht klar auf der Seite des Geschöpfes; sie zeigt aber den Geschöpfen, was durch die Erwählung Gottes dem Geschöpf neu zukommt: Eine Perspektive der Erlösung und Befreiung. Weil Maria alles auf diese Perspektive gesetzt hat, ist sie selber ein Teil der Versprechungen Christi geworden, Befreite und Erlöste: Befreite von aller Sünde und Erlöste vom Tod. Daher glaubt die katholische Kirche an die Freiheit Marias von Erbschuld. Auch wenn dies komplizierte theologische Ausdrücke sind, ist die Bedeutung doch schnell verstehbar: Die sogenannte Erbschuld ist die Last des menschlichen Lebens, deren Konsequenz der Tod ist. Maria hat in ihrem restlosen Vertrauen auf Gottes Fügung auch restlos ihr Leben und Sterben hineingelegt und ist deswegen nicht einfach gestorben, sondern entschlafen, wie es die orthodoxe Kirche nennt, oder direkt in den Himmel aufgenommen worden, durch das Wirken desselben Geistes, der sie zum Schoss der Mensch gewordenen Weisheit Gottes in Jesus Christus gemacht hat. Die katholische Kirche feiert dieses Glaubensgeheimnis am Fest Maria Himmelfahrt. Zum Fest Maria Himmelfahrt vom 15. August 2009 hat die Theologin Marie-Louise Gubler einen vertieften Blick darauf geworfen. Unter folgendem Link finden Sie dazu ihre Überlegungen.

 

Wenn diese letzten Überlegungen auch über die direkt bezeugte biblische Botschaft hinausgehen, so sind sie letztlich doch die Konsequenz der biblischen Erwählung, wie sie durch alle Jahrhunderte der christlichen Zeit begriffen wurde. Diesem Lobpreis des Heilswirkens Gottes will und kann sich die katholische Kirche nicht verschliessen.

Nach diesen etwas komplexeren Überlegungen bleibt noch eines: Maria war von ihrer Herkunft sicher eine einfache Frau aus dem Volk. Gerade das macht sie vielen Gläubigen so vertraut und so nahe, ein Mensch wie wir, eine Frau, die die Nöte des täglichen Lebens kennt. Sie selber wird nicht immer alles verstanden haben, was da Grosses an ihr passierte, auch wenn es im Lukasevangelium heisst: "Maria aber, erwog alles in ihrem Herzen". Gerade dieses Erwägen und Nachsinnen wird sie zur Erkenntnis dessen geführt haben, was Jesu tiefste Sendung wirklich ist. Daher verstehen auch einfache Menschen Maria als jemanden, der ein sicherer Wegweiser auf Jesus hin ist, ein nicht-theologischer, einfach menschlicher, herz-licher Blick der Mutter auf ihren Sohn. Mütter sehen und verstehen ja bekanntlich mehr von ihren Kindern als Aussenstehende. Von diesem Blick singt auch ein volkstümliches Lied über die Muttergottes, das hier stellvertretend für die grosse Gebets- und Liedtradition unserer Kirche stehen soll:


 
 



"Du Frau aus dem Volke, von Gott ausersehn,
dem Heiland auf Erden zur Seite zu stehn,
kennst Arbeit und Sorge um's tägliche Brot,
die Mühsal des Lebens in Armut und Not.

Du Mutter der Gnaden, o reich uns die Hand
auf all unsern Wegen durch's irdische Land.
Hilf uns deinen Kindern in Not und Gefahr;
Mach allen, die suchen, den Sohn offenbar.


(Strophe 2 und 5 des Liedes: "Maria, dich lieben",
in der Fassung von F. Dörr, 1972)



 
 
 
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