Leben in Gemeinschaft mit Gott - Pfarrei und Wallfahrtsort Maria Oberdorf

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Leben und Glauben
 


Ein Leben in Gemeinschaft mit Gott

Eine kurze Einladung zur "Stille"


Sie haben diese Rubrik geöffnet, weil Sie offenbar interessiert sind, mit Gott in Kontakt zu treten. Neben dem Leben, das von der Liebe zum Nächsten geprägt sein sollte und sich an den Geboten Gottes orientiert, ist das Gebet der direkte "Draht" zu Gott. Es braucht heute Mut, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, aber Sie werden sehen, es lohnt sich. Im Nachfolgenden finden Sie eine kurze Anleitung zum Gebet von Thomas Braendle und von Ute Weiner, eine kurze Einladung zur "Stille" -  sie ist das wesentliche Einstiegselement:

 
 
 


Meditation


Es braucht Stille
um im Spiegel der Seele
das Wesentliche zu erkennen:
sich selbst -  den andern - Gott.

Lass meine Seele still werden
wie ein kleines Kind
bei der Mutter
du, mein Gott,
kannst alle Sehnsucht stillen!

(Ute Weiner)


 


"Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden."

Vielleicht sollten wir hie und da unser Beten überdenken. Selbstverständlich sind Sie frei, wie Sie beten möchten. Ob wir vielleicht heute schlicht zu wenig beten? Einige Grundgebete sind selbstverständlich, aber das eigentliche Beten, das Sich-Vor-Gott-Hinstellen, das ist wohl mehr als eine kleine Erfüllung des Morgen-, Abend- und Tischgebetes, an das wir uns vielleicht gewöhnt haben.

Fragen Sie sich doch bitte einmal: Bete ich genug? Genügt die Zeit, die Gelegenheit, die Spanne, die ich Gott anbiete? - Gott ist voller Güte und Liebe zu uns. Er drängt uns nicht, wenn wir wirklich einmal keine Zeit haben zum Beten. Aber läuft unser Gebetstag so ab, dass wir Gott genügend von dem schenken, was wir von ihm zur Verfügung haben, von unserer Zeit?

Gott will uns nie belasten durch das Gebet. Er macht auch keine Vorschriften für uns, wie lange wir beten sollen, in welcher Form, bei welchen Gelegenheiten.
Aber eine Überlegung ist zu Beginn notwendig: Ist das, was ich Gott täglich anbiete ein wirkliches Beten, ein echtes Reden mit ihm? Und Sie wissen, zum echten Reden braucht man vor allem etwas Zeit. Es sei deutlich gesagt: Nirgends in der Bibel spricht Gott von der Zeit, die wir für das Gebet verwenden sollen, aber er spricht vom "Allzeit-Beten". Also ist das Gebet nicht ein Anhängsel unseres Alltags, sondern etwas, das den Alltag umschliesst.

Die Mahnung Jesu gilt auch uns.

In der Geschichte vom Dornbusch spricht Gott zu Mose: "Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs." Dann fügt Jesus bei:

"Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden."


Wenn Gott für uns ein Gott von Lebenden ist, dann können wir nicht das, was dem Tode zerfällt, zum Massstab machen, dann ist unser kleines irdisches Leben nicht der Massstab, auch unsere kleine Gebetszeit ist es nicht. Dann geht es darum, dass wir in unserem Alltag mit diesem Gott wirklich leben! Wir müssen jetzt schon den grossen weiten Himmel in unser Leben einziehen lassen. Wir leben ja nicht auf den Tod hin, sondern auf das Leben. Und entscheidend ist alles, was Leben bewirkt, verschönert und vertieft.

Als Wegweiser für unser Gebet haben wir das, was die Evangelien über das Gebet Jesu berichten.

Praktische Anleitungen:

1. Wir müssen die Notwendigkeit des Betens einsehen. Wir brauchen es wie das Atmen, wie das Essen. Wir brauchen es zum Leben und darum ist die erste Frage: Welchen Vorrang hat in unserem Leben das Gebet? Sobald wir uns diese Frage ehrlich überlegen, spüren wir: Hier fehlt manchmal etwas. Oft achten wir das Gebet gering. Wir erledigen es so nebenbei. Dabei sagen die Wüstenväter: Das Gebet soll vor allem anderen den Vorrang haben!

2. Wenn Ihnen das möglich ist, dann ziehen Sie sich zum persönlichen Beten mindestens einmal am Tag in die Stille zurück. In eine stille Ecke, die Sie lieben, die Ihnen die nötige Ruhe gewährt und die Sie richtig aufatmen lässt in Gott.

3. Die Wüstenväter erinnern auch daran, dass wir eine gewisse Regelmässigkeit wahren sollen. Das ist bei vielen Arbeitenden nicht immer möglich, aber überlegen Sie sich einmal, ob das bei Ihnen vielleicht doch eine Wirklichkeit werden könnte, zu einer bestimmten Zeit sich ins Gebet zurückzuziehen, mindestens einmal am Tag. Mit gutem Willen findet man sogar zwei Zeiten eine am Morgen und eine am Abend.

4. Gut ist es, den Kontakt mit dem Boden mit der Erde aufzunehmen durch ein kurzes oder längeres Hinknien vor Gott.

5. In dem, was Sie beten, sind Sie ganz frei. Am Anfang sind es vielleicht Gebete, die Heilige oder fromme Männer und Frauen vor uns gesprochen haben. Bald aber können Sie auch vom Gebetsgeist erfüllt werden, wenn Sie keine Worte machen, die Augen schliessen und schweigen. Dieses Gebet der Stille hat schon so manchem geholfen.

6. In diesem Ruhegebet werden Sie Gott ansprechen. Vielleicht durch einen Satz, den Sie langsam lieb gewinnen. Ich denke z.B. an

 
 
 


"Mein Gott und mein alles"
"Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner."
"O Gott, komm mir zu Hilfe - Herr eile mir zu helfen!"
"Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit."


 
 
 
 
 
 

Reden Sie mit Gott, dass er Sie zu einem dieser kleinen Gebete führt. Ein solches Gebet finden Sie vielleicht in einer Lesung oder in einem Text der Liturgie.

Wenn Sie z.B. immer wieder beten: "Herr Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner", dann wird Sie der Geist dieses Gebetes mit der Zeit ganz erfüllen. Aber Sie spüren sofort, dass das nicht ein einmaliges Gebet sein kann, sondern immer wieder an Gott gerichtet wird.   

Von Bedeutung ist, dass wir ein solches Gebet möglichst immer auf den Lippen haben. Man kann sich sehr gut daran gewöhnen.

Wenn Sie dieses Gebet üben, dann gibt es Auswirkungen:
1. Körper, Geist und Seele kommen zur Ruhe. Sie werden das ganz langsam verspüren, wie die Ruhe Sie überkommt, wie auch der Körper von dieser Ruhe erfüllt wird.

2. Ganz wunderbar wird Gottes Gegenwart spürbar. Sie geben sich gleichsam in Gott hinein und erwarten von ihm einfach alles.

3. Wenn Sie so das Beten eine Zeit lang geübt haben, dann spüren Sie, wie mit der Zeit alles Widergöttliche von Ihnen abprallt. Das ist eine ganz wunderbare Offenbarung. Dabei nehmen wir diese Gabe nicht etwa mit Stolz, sondern in tiefer Demut entgegen und atmen auf und langsam spüren wir, dass Jesus gesagt hat: "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden."

4. Es kann sich sogar Zukünftiges offenbaren. Nicht weil wir uns das so einbilden oder weil wir das suchen würden. Es ergibt sich aus der Art und Weise dieses Betens.

5. Etwas Entscheidendes und ganz Wunderbares ist es auch, dass in uns die Auferstehung und die nachösterlichen Dimensionen tiefer werden, lebendiger zum Vorschein kommen und uns eine ganz tiefe Ruhe verschaffen. Bitte haben Sie keine Angst, Sie würden durch solches Beten unter Zeitdruck geraten. Im Gegenteil: Wenn Sie sich ein wenig eingeübt haben, spüren Sie die Ruhe und die Sicherheit, die von Gott her kommen.

 

Ein Text aus dem 4. Jahrhundert lässt uns erahnen, zu welcher Tiefe wir durch solch intensives und doch wieder wunderbar leichtes Gebet gelangen können.

 


"Dich Gott, bitten wir:  Hilf deinem Volk,
lass dein Erbarmen über uns walten,
denn wir vertrauen auf dich.
Dich loben wir.
Dich preisen wir, Herr Jesus Christus,
eins mit dem Vater im Heiligen Geist,
jetzt und in Ewigkeit.
Amen


 




Quelle: Wir danken Thomas Braendle und der Redaktion des Antoniusheftes für die Genehmigung, dass wir diese wunderbare Anleitung zum Gebet, erschienen im Antoniusheft  (82. Jahrgang, Nr. 5, S. 3-6) übernehmen durften.

 
 
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