Eucharistie/Kommunion - Pfarrei und Wallfahrtsort Maria Oberdorf

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Eucharistie feiern - warum?

Nach dem Tod Jesu lernen die Apostel erst allmählich verstehen, was es denn bedeutet, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Sie sind ganz gefangen in ihrer Sicht des Geschehenen: Wie sollen sie nach einer solchen Erfahrung auch etwas so Ungeheures wie "Auferstehung" erahnen. Die berühmte Geschichte der Emmausjünger erzählt diesen Weg der Erkenntnis (Lk 24, 13-33):  Die verzweifelten Jünger sind unterwegs in ein Dorf namens Emmaus. Da gesellt Jesus sich zu ihnen. Sie aber merken nicht, dass er es ist. Nach einer Frage führt er sie ein in das Verständnis der Heiligen Schrift (Bibel) und sie sagen später: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss." (Lk 24,32) Beim anschliessenden gemeinsamen Mahl hält Jesus das Brot in seinen Händen, das er für die Jünger bricht: "Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn" (Lk 24,31). Dass Eucharistie - Danksagung, ein Ort der Jesuserkenntnis ist, wussten also schon die allerersten Christen.

In der Apostelgeschichte (2,42) heisst es von der ersten Christengeneration, dass sie an der Lehre der Apostel, dem gemeinsamen Beten und dem Brechen des Brotes festhält. Die katholische Kirche hat zusammen mit den meisten christlichen Kirchen an dieser urchristlichen Wirklichkeit festgehalten. Täglich feiert sie, das Volk Gottes zusammen mit den Priestern (vgl. Apg 2,46), das heilige Geheimnis der wirklichen Gegenwart Jesu in ihrer Mitte.  Zusammen mit dem Verkünden des Wortes Gottes bildet daher die Feier der Darbringung von Brot und Wein den Höhepunkt der Hl. Messe. Im Wort Gottes erfahren die Gläubigen und Suchenden, welches denn die grossen Zeichen und Taten Gottes sind, die er durch Jesus gewirkt hat, und wie dieser Jesus heute in unserer Mitte gegenwärtig ist. Das Sakrament (Heiliges Zeichen) der Eucharistie ist daher Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens, weil es die Gemeinde versammelt und weil sie sich daraus immer wieder selbst vergewissern darf, dass ihr Ursprung ein "mystischer  ist, dass sie sich nicht selber "macht", sondern sich immer wieder neu empfängt aus dem Geschenk der geheimnisvollen Gegenwart ihres Herrn, Jesus Christus, der sie nie verlässt.

 

Da der Sonntag der Tag der Auferstehung Christi ist, und die christliche Kirche diesen Tag besonders hoch hält, wird die Eucharistie seit Beginn der Kirche auf alle Fälle am Sonntag  gefeiert (eine Ausnahme bilden einige reformatorische Kirchen). Auf die würdige Vorbereitung und die Feier der "Heiligen Geheimnisse", wie man die Eucharistiefeier auch nennt, wird deshalb besonderen Wert gelegt: Musik, Blumen, Kerzen, Gesang, ein feierlicher Ritus, Weihrauch, Bilder, Ministranten, Lektoren, Vorsänger, Kommunionhelfer, Priester und Diakone manchmal auch Prozessionen begleiten deswegen in der katholischen Tradition diese Sonntags- oder Feiertagsgottesdienste. Das gemeinsame Feiern und Entdecken der Gegenwart Jesu unter uns, gehört nämlich wesentlich zum kirchlichen Leben der katholischen Kirche.
Die Feier der Eucharistie während der Wochentage geschieht in einem etwas bescheideneren Rahmen, aber nicht weniger würdig, denn es kommt schliesslich auf das innere Mitfeiern und auf die Einstellung an, mit anderen Worten auf das Herz.

Jesus sagt von sich selber "ich bin das Brot des Lebens" (Joh. 6,35).  Wer zur Eucharistiefeier geht, setzt sich also gleichsam zu Füssen von Jesus, hört ihm zu und nimmt in seiner Nähe das Wort vom Brot des Lebens auf. Gott möchte also mit uns Gemeinschaft halten und wir dürfen darauf antworten. Wir beten daher nach dem Gebet des Priesters über Brot und Wein (Wandlung) und seinem Ruf "Geheimnis des Glaubens" als Antwort: "Deinen Tod o Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit". Wenn wir die drei Teile dieser Antwort anschauen, verstehen wir "Eucharistie" tiefer.

Erstens: "Deinen Tod o Herr verkünden wir": Das Brot des Lebens ist Christus, der Gekreuzigte, der sein Leben für uns hingibt.  Er bricht uns das Brot, so wie am Kreuz sein Leben zerbrochen ist zum Heil für alle Menschen. In dieser Mahlgemeinschaft umarmt Christus alle unsere Brüche: bisweilen die Vergeblichkeit und das Scheitern unseres Tuns, die vielen Kreuze der Gegenwart und Geschichte, die Angst vor dem Dunkel des Daseins und seine Verdrängung, die Opfer und Gescheiterten, die an weltweiter Ungerechtigkeit verblutende Hoffnung und die in Gleichgültigkeit zerschlissene Sehnsucht, schliesslich unser eigener Tod.

In dieses Mahl - mit anderen Worten - werden alle diese Dimensionen hineingenommen in das gebrochene Brot durch das Opfer Christi. Bildlich gesagt könnte man mit J. Hohmeyer auch sagen: "In der Eucharistie umarmt uns Christus mit ausgebreiteten Armen am Kreuz". Im Beten dieses ersten Teils der genannten Antwort werden wir sensibel für das Leid der Welt und die unbegreifliche Solidarität Gottes mit allen Leidenden dieser Welt. Es ist auch der Blick zurück auf das Leiden Christi, die Erinnerung und das Gedächtnis, um Gegenwart und Zukunft besser zu verstehen.

 

Zweitens: "Deine Auferstehung preisen wir". So wie der am Kreuz geschändete und zerbrochene Christus sich in das Leiden der Welt hineinbegibt, um dieses von zuinnerst her zu verwandeln, nämlich durch die Liebe, die stärker ist als Leiden und Tod, und Christus dadurch zum Brot der Leidenden und Darbenden wird, so wird Eucharistie ebenso zum Fest des Jubels über die Auferstehung. Dies geschieht in der Verwandlung von Leiden und Tod durch die mit-leidende Liebe Gottes, weil uns damit  die grossartigste Vision der Menschheit aufgetan wird, nämlich jene, dass wir alle berufen sind, in Christus am eigenen Leib Auferstehung zu erleben, und darin in der Feier der Eucharistie schon mit ihm verbunden werden.


Wenn wir das Heilige Brot, seinen Leib, in der Eucharistie zu uns nehmen, dann wird dieses mystische Brot zu einem Teil von uns und wir werden umgestaltet von unserem Herzen und Glauben her, auf die genannte grossartige Wirklichkeit der Auferstehung. So kann der tiefsinnige Augustinus einmal im Hinblick auf den Empfang der Eucharistie von seinen Gläubigen fordern: "Werdet, was ihr empfangt, empfangt, was ihr werdet!" Angesichts der heute tiefen Existenzangst vieler Menschen, des modernen Verdachts auf Sinnlosigkeit unseres Lebens und der Menschheitsgeschichte überhaupt vor der Perspektive des Todes, ist leicht verständlich, dass die frühen Christen die Eucharistie als Medizin der Unsterblichkeit bezeichneten. Hier öffnet sich aus Vergangenem eine Perspektive des Kommenden.

 

Drittens: "Bis Du kommst in Herrlichkeit". Eucharistie  feiern, heisst auf ganz intime Weise in Gemeinschaft (Kommunion) stehen mit Gott, so intim, dass das gegessene Brot (und der getrunkene Wein) sein Leib und Blut, zu einem Teil von uns selber wird. Dies ist nur möglich wenn Gottes Geist  gewöhnliches Brot "ver-wandelt" in jenes mystische Brot, das so Leib Christi wird. Gott bewirkt dies auf die Zusage Jesu hin, dass er mit uns ist bis zur Vollendung der Welt und er seinen Jüngern die Feier des Brotbrechens ausdrücklich aufgetragen hat. Die Eucharistie kennt von daher nicht nur eine rückwärts gewandte Perspektive des Gedenkens, sondern beinhaltet ebenso jene der visionären Vorausschau auf  die Vollendung der Zeit und der Welt,  unseres persönlichen Schicksals und unseres Eingehens in die Ewigkeit. Bis dahin "werden viele kommen von Osten und Westen und sich mit Abraham und Jakob … zu Tische setzen" (Mt 8,11).


In dieses Mahl Gottes für die Völker, welches die Bibel  immer wieder beschreibt, sind wir im Mahl Jesu eingeschlossen. Praktizierende Katholiken sind von daher keine nach hinten gewandte griesgrämige Ewig-gestrige, sondern Menschen mit einer Vision, mit Perspektive, die fröhlich die Zukunft angehen. Die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten gehört von daher wesentlich zum Spannungselement der christlichen Existenz. In der Feier der Eucharistie werden wir unmissverständlich daran erinnert. Von dieser Vollendung her versteht sich auch die Hoffnung auf die irdische Gerechtigkeit, denn Eucharistie als mystischer Prozess, verbindet uns nicht nur mit der himmlischen Mahlgemeinschaft, sondern ebenso auch mit der Mahlgemeinschaft Jesu mit den Sündern, mit seiner Einladung an alle Trauernden, mit dem Festmahl des Vaters für alle verlorenen Söhne und Töchter. Hier geschieht Umbruch, Veränderung in uns selber, aber auch in all jenen, die von der Kraft dieser mystischen Quelle berührt sind.

Darum hält die katholische Kirche die Eucharistie so heilig, weil von hierher, von zuinnerst her aus der mystischen Begegnung von Mensch und Gott, Begegnung mit und Verwandlung der Welt geschieht.

Pfr. Dr. Agnell Rickenmann

 
 
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