Busse und Versöhnung - Pfarrei und Wallfahrtsort Maria Oberdorf

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Busse und Versöhnung

1. Worum es geht:
Als Menschen generell, aber besonders als Christen (-innen), sind wir zur Freiheit und zum Glück berufen. Nun machen wir aber in unserem Leben die Erfahrung, dass es Dinge gibt in unserem Leben, die dem entgegen stehen: Das Schuldig-Werden an mir selbst, vor Gott und an anderen, Versagen, Süchte, Egoismen, Lügen etc. behindern uns auf diesem Weg der Liebe und Güte, der uns in das Glück und die Freiheit führen will. Die christliche Tradition benennt diese Erfahrung mit dem biblischen Wort "Sünde". Es muss eine Möglichkeit geben aus dieser "Falle" herauszukommen: Gottes Hilfe, seine Güte und sein Erbarmen zeigen uns den Weg. Das Beispiel des barmherzigen Vaters, der seinen Versager-Sohn wieder bei sich aufnimmt, weist uns den Weg, vgl.   Lk 15,11-32. Die Stichworte aus dieser Geschichte sind: Grossherzigkeit, Erbarmen, Vergebung, Umkehr (Um-denken), Güte und Liebe. Diese Dynamik steht im Zentrum dessen, was wir vermitteln wollen und was auch für die Menschen unserer Zeit dringend nötig ist, wollen wir nicht verrohen und  sprichwörtlich knallhart, gnadenlos und unbarmherzig werden.


2. Aus der Geschichte dieses Sakramentes

Die ersten Christen fanden in der Taufe (die sie oft erst später im Leben empfingen) die heilbringende und vergebende Kraft des neuen Lebens in der christlichen Freiheit. Für die frühen Christen war es selbstverständlich, dass die Kirche als lebendiger Leib Jesu, diese Aufgabe zu übernehmen hatte. Doch auch in ihren Reihen fanden sich die Spuren des "alten Menschen" des Eigennutzes und der Sünde. Es ging deswegen darum, Menschen neu diese befreiende Kraft des gelebten Glaubens erfahren zu lassen, so auferlegte man ihnen je nach Schwere der Schuld eine öffentliche Kirchenbusse, die in einem Beichtgespräch mit dem Bischof, eine Zeit am Rande der christlichen Gemeinschaft beinhaltete und in einer feierlichen Wiederaufnahme mündete. Manche Büsser und Büsserinnen drückten sich in der Folge vor dieser schwierigen Form der Vergebung. Die Tradition der irischen Mönche brachte einen neuen Umgang mit der Busse mit sich: Individueller konnte nun mit einzelnen Vergehen umgegangen werden und für verschiedene Sünden wurden auch verschiedene "Tarife" also Busswerke angeordnet, um sich von der Last der Schuld zu befreien, nach dem Motto: Tue Gutes um etwas Schlechtes auszulöschen. Von der öffentlichen Busse kam man immer mehr zur individuellen Busse und Versöhnung. So erfolgte ab dem 10. Jh. die Lossprechung auch nicht mehr im öffentlichen Rahmen. Das Trienter Konzil (16.Jh.) regelt die Praxis einheitlich und verpflichtet Christen in der Form der Einzelbeichte bei schweren Vergehen (Kapital- oder Todsünden) einmal jährlich die Lossprechung zu empfangen. Dies war die Situation auch bei uns bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die jüngste Entwicklung seit dem 2. Vatikanischen Konzil betont den Weg der eigentlichen, echten, inneren, persönlichen Umkehr und Versöhnung vor Gott, den Menschen und sich selbst. Christ(-in)-Sein bedeutet demnach: Als getaufter Mensch versöhnt und glücklich seine christliche Würde leben.

3. Wie wird diese urmenschliche Erfahrung heute vermittelt, welches sind unser Ziele:

Viel wird man heute in Bezug auf die Fragen von "Schuld und Sünde" mit Vorurteilen konfrontiert: Manche wollen diese menschliche Dimension nicht wahrhaben, andere finden das einfach natürlich ohne irgendwie den Anspruch zu haben, etwas dagegen tun zu können, wieder andere meinen Fehler und Sünde könne man gar nicht klar benennen, mit andern Worten: Gut und Böse seien lediglich eine Frage der Konvention. Noch andere haben in ihrer Jugend schlechte Erfahrungen mit dem Umgang damit gemacht, wurden von unsensiblen Seelsorgern verletzt und geblieben ist eine verkorkste Beziehung zur barmherzigen Güte Gottes, wie sie die Kirche vermitteln darf. Schliesslich entschuldigen sich heute viele auch mit einer solchen Ausrede, weil sie sich fürchten, sich ehrlich mit ihren Schatten auseinander zu setzen. Es ist aber auch heute der Auftrag der Kirche als Leib Christi und als Institution, die in Jesu Auftrag gründet, einen ehrlichen Umgang mit Fehlern und Sünde zu lehren und auch Menschen zur Befreiung davon zu führen. Heute, in einer Zeit, in der die Frage nach Schuld, Busse und Versöhnung unverkrampfter gestellt werden kann, sollten wir alle, gerade auch Kinder neu lernen, was Sünde, Versagen und Fehlverhalten bedeutet, aber nicht dabei stehen bleiben, sondern die Dynamik des Freiwerdens durch Vergebung, Güte, Grossherzigkeit und Liebe verstehen lernen. Denn ein ehrlicher Umgang mit Schuld und Schwäche befähigt zur Überwindung und zum Wachsen als Mensch. Um dazu einen Vergleich zu bemühen: Durch das Benützen der Gesetze der Schwerkraft beispielsweise kann so der Mensch heute fliegen. Es geht also darum, die Grosszügigkeit und die unendliche Barmherzigkeit Gottes aber auch dessen Gerechtigkeit, die jene des Menschen unendlich übersteigt, kennen zu lernen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es nämlich gut zu wissen: Es gibt einen Ort, wo mir Gottes Barmherzigkeit zugesprochen wird, wo ich Befreiung und Verzeihung erlangen kann.

 
 


In diesem Sinne pflegen wir in unserer Pfarrei alle möglichen Formen der Busse, Umkehr und Versöhnung: 
das seelsorgerliche Einzelgespräch mit Lossprechung, nach Bedarf im individuellen Beichtgespräch auch ausserhalb der Kirche (nach Voranmeldung oder wenn es sich so ergibt)

  1. das klassische Beichtgespräch im Beichtstuhl in der Kirche (Dienstag 18.30 - 19.00)
  2. den Bussgottesdienst als Vorbereitung auf ein persönliches Beichtgespräch (jeweils vor Weihnachten und Ostern)
  3. schliesslich die einfache Bussfeier etwa mit Kindern zur Schulung des Gewissens und als Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung (Beichte)


 


So sei Ihnen allen denn mit Paulus zugerufen:
"Wir bitten an Christi statt, lasst euch mit Gott versöhnen".  
(2Kor 5,20)


 
 
 
 
 
 
 
 

Pfr. Dr. Agnell Rickenmann

 
 
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